fehlgeschlagene Investitionen in geschlossene Fonds

Risi­ken

bei

geschlos­se­nen Fonds

Haben Sie einen geschlossenen Fonds?

Das cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­mal eines geschlos­se­nen Fonds ist, dass der Anle­ger Mit­ge­sell­schaf­ter der Fonds­ge­sell­schaft wird. Die gesell­schafts­recht­li­che Betei­li­gung kann ent­we­der mit­tel­bar durch einen Treu­hän­der oder direkt als Gesell­schaf­ter des Fonds erfol­gen. Im letz­te­ren Fall ist der Anle­ger in der Regel im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen.

Anders als bei einer Aktie kann die Betei­li­gung an einem geschlos­se­nen Fonds nicht als stan­dar­di­sier­ter Unter­neh­mens­an­teil an der Bör­se gehan­delt wer­den und hat auch kei­ne Wert­pa­pier­kenn­num­mer (WKN) oder ISIN (Inter­na­tio­nal Secu­ri­ties Iden­ti­fi­ca­ti­on Num­ber), weil es sich nicht um ein Wert­pa­pier han­delt.

Es han­delt sich um ein wenig fle­xi­bles Anla­ge­pro­dukt. Der Anle­ger ist daher auch bei sich ver­än­dern­den Kapi­tal­markt­si­tua­tio­nen häu­fig an sei­ne Inves­ti­ti­on gebun­den und kann sei­ne Anla­ge­stra­te­gie nicht ändern.

Das von der Fonds­ge­sell­schaft erwor­be­ne Wirt­schafts­gut (zB eine Immo­bi­lie oder ein Schiff) erzielt weni­ger Erträ­ge als vom Ver­kaufs­pro­spekt vor­ge­se­hen, wes­halb der Fonds die geplan­te Ren­ta­bi­li­tät nicht erreicht oder sogar Ver­lus­te macht. Grund dafür kann die Qua­li­tät des Wirt­schafts­gu­tes selbst sein oder aber eine ver­än­der­te Markt­si­tua­ti­on. Die Aus­wir­kung ist erheb­lich, weil der geschlos­se­ne Fonds anders als bei offe­nen Anla­ge­pro­duk­ten in der Regel nicht eine Viel­zahl von bei­spiels­wei­se  Immo­bi­li­en erwor­ben hat, son­dern nur eine (zB ein Kauf­haus). Auf­grund der übli­cher­wei­se nied­ri­gen Diver­si­fi­ka­ti­on sind die Anle­ger daher einem erhöh­tem Risi­ko aus­ge­setzt.

Mit dem Geld der Anle­ger erwirbt der geschlos­se­ne Fonds ein unter­neh­me­ri­sches Ver­mö­gens­gut und bewirt­schaf­tet die­ses, bei­spiels­wei­se wird eine Immo­bi­lie oder ein Fracht­schiff gekauft und ver­mie­tet bzw. beree­dert.

Die meis­ten geschlos­se­nen Fonds inves­tie­ren nicht in eine Viel­zahl von Wirt­schafts­gü­tern (wie zB ein offe­ner Immo­bi­li­en­fonds) son­dern ledig­lich in ein ein­zel­nes Gebäu­de oder einen klei­ne­ren Gebäu­de­kom­plex. Bei Schiffs­fonds bei­spiels­wei­se spricht man dann von einer Ein­schiffs­ge­sell­schaft.

Risi­ken:

  • fal­sche oder zu opti­mis­ti­sche Pro­gno­se der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung
  • hohe Fremd­ka­pi­tal­quo­te ver­viel­facht das Risi­ko der Anle­ger
  • Erwerb des Ver­mö­gens­gu­tes (zB Immo­bi­lie) zu über­höh­tem Preis ins­be­son­de­re bei wirt­schaft­li­cher Nähe zwi­schen Emit­tent und Ver­käu­fer
  • Miss­wirt­schaft in der Fonds­ge­sell­schaft
  • Ände­rung der Besteue­rung
  • Chan­ce zur Erho­lung nach einer wirt­schaft­li­chen Kri­se meist sehr gering

Haben Sie eine seriöse Anlageberatung erhalten?

Beant­wor­ten Sie eine die­ser Fra­gen mit “Nein”, so liegt die Ver­mu­tung einer Fehl­be­ra­tung nahe:

  • Hat Ihr Bera­ter vor Abga­be einer Anla­ge­emp­feh­lung eine umfas­sen­de Ana­ly­se Ihrer Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­si­tua­ti­on vor­ge­nom­men?
  • Wur­de im Rah­men der Bera­tung mit Ihnen gemein­sam geklärt, wie sich Ihr Ver­mö­gen und ihr Ver­mö­gens­be­darf in Zukunft ent­wi­ckeln kann?
  • Wur­den dabei kri­ti­sche Lebens­er­eig­nis­se berück­sich­tigt (zB vor­über­ge­hen­de Erwerbs­lo­sig­keit oder erhöh­ter Kapi­tal­be­darf wegen Krank­heit usw.) und geklärt wie die emp­foh­le­ne Kapi­tal­an­la­ge sich geän­der­ten Situa­tio­nen anpas­sen kann?
  • Sagt Ihnen der Bera­ter wie sich sei­ner Mei­nung nach die Märk­te in Zukunft ent­wick­len wer­den? – nega­tiv: Auch er kann die Zukunft nicht vor­her­sa­gen.
  • Macht der Bera­ter klar, dass eine pro­spek­tier­te Ren­di­te über Markt­ni­veau ver­gleich­ba­rer ande­rer Anla­ge­mög­lich­kei­ten grund­sätz­lich nicht erziel­bar ist? – posi­tiv: rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung des Risi­kos!
  • Rät der Bera­ter Ihnen zur Diver­si­fi­ka­ti­on? – posi­tiv!
  • Hat Ihnen der Bera­ter emp­foh­len, bestehen­de Anla­ge­pro­duk­te umzu­schich­ten, also Wer­te zu ver­kau­fen oder Anla­ge­mo­del­le zu been­den (Kün­di­gung einer Lebens­ver­si­che­rung) um das Geld ander­wei­tig anzu­le­gen? – nega­tiv: Weich­kos­ten wer­den rea­li­siert, Erho­lungs­chan­ce wird abge­schnit­ten.
  • Hat der Bera­ter einen Anreiz, Ihnen eine bestimm­te Kapi­tal­an­la­ge zu emp­feh­len und ken­nen Sie die­sen Anreiz (zB Erfolgs­ver­gü­tung, Vor­ga­ben eines Vor­ge­setz­ten)?
  • Wur­de Ihnen gesagt, wes­halb Ihnen bestimm­te Pro­duk­te ange­bo­ten wur­den und ist die­se Aus­wahl für Sie nach­voll­zieh­bar?
  • Wur­de Ihnen gesagt, was die offe­nen und ver­steck­ten Gebüh­ren des emp­foh­le­nen Anla­ge­mo­dells sind?
  • Wenn Sie einen Betrag von bei­spiels­wei­se 15.000,00 EUR inves­tie­ren – wie hoch ist der Anteil Ihres Invest­ments der tat­säch­lich zur Erwirt­schaf­tung einer Ren­di­te ein­ge­setzt wird, wie­viel wird für sog. Weich­kos­ten ver­wen­det?
  • Wur­de das Risi­ko des Anla­ge­mo­dells trans­pa­rent dar­ge­stellt?
  • Wur­de die Ertrags­chan­ce der emp­foh­le­nen Kapi­tal­an­la­ge mit ande­ren am Markt erhält­li­chen Model­len anhand des Risi­kos abge­gli­chen (sog. Bench­mar­king)?
  • Wur­den Sie genau infor­miert, wie sich die Kapi­tal­an­la­ge bei ungüns­ti­gen Ent­wick­lun­gen ver­hält?
  • Hat Ihr Bera­ter bestimm­te Risi­ken der Kapi­tal­an­la­ge als unwahr­schein­lich ein­ge­stuft oder ander­wei­tig her­un­ter­ge­spielt?

Die vor­ge­nann­ten Merk­ma­le einer seriö­sen Anla­ge­be­ra­tung sind abge­lei­tet aus den The­sen von Pro­fes­sor Dr. Dr. h.c. Mar­tin Weber der Uni­ver­si­tät Mann­heim, die er in sei­nem Buch “Kodex zur Anla­ge­be­ra­tung, gute Sit­ten und opti­ma­le Ent­schei­dung” (Band 19 aus der Rei­he “For­schung für die Pra­xis”) auf­stellt.

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